The Daemon book series by Daniel Suarez

Im Jahr 2006 veröffentliche Daniel Suarez unter dem Pseudonym Leinad Zeraus, ein Anagramm auf seinen Namen, seinen Erstlingsroman Daemon (2010 in Deutschland erschienen im Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, ISBN 978-3-499-25245-7). 2010 folgte die Fortsetzung, der zweite und letzte Teil der Daemon-Buchreihe mit dem Titel Darknet (engl. Original: Freedom, 2011 in Deutschland erschienen, ebenfalls im Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, ISBN 978-3-499-25244-0).

Der Was wären, wenn...?-Effekt

Während des Lesens beider Romane, vor allem aber seines Erstlings Daemon, kommt einem immer und immer wieder diese Frage in den Kopf: Was wäre, wenn...?

Sie frisst sich so fest, dass ich es als den Was wären, wenn...?-Effekt bezeichne. Denn, wie könnte man auch nicht in diese Situation kommen, wenn der Autor geschickt aktuelle und technisch absolut mögliche Verfahren in seinem Roman verpackt, die das eigene Leben, ja eigentlich sogar das ganze System, auf den Kopf stellen und gegen einen wenden können - und im Rahmen des Romans zumindest auch tun.

Besonders unter dem Aspekt der NSA-Affäre gewinnt der 2006 veröffentlichte Science Fiction unerwartete Relevanz und bekommt eine erschreckend lebendige und reale Basis.

Das Backcover

Es beobachtet. Es lernt. Und es tötet.

Matthew Sobol ist einer der reichsten Männer des Silicon Valley und ein Computergenie. Doch seit langem leidet er an einer unheilbaren Krankheit. Exakt in der Sekunde seines Todes nehmen rund um den Erdball Computerprogramme ihre Arbeit auf – zunächst unbemerkt, aber sehr bald schon wird deutlich, dass ein DAEMON den gesamten ­digitalisierten Planeten infiziert hat. Ein DAEMON, der herrscht, ein DAEMON, der tötet. Und in einer Welt, in der alle vernetzt sind, kann ihm keiner entkommen.

Vom Krimi zum Science Fiction zur Gesellschafts- und Sozialkritik

Was im oben zitierten Teaser wie so oft in relativ reißerischer Manier gepriesen wird, verspricht ausnahmsweise tatsächlich nicht zu viel. Geschickt gelingt es dem Autor den Leser mit einem Mord in eine Geschichte einsteigen zu lassen. Dabei bleibt viel, aber eben nicht zu viel, im Dunkeln, gerade genug um die Spannung zu halten und einzuleiten in eine Geschichte, die vor allem noch an Komplexität gewinnt.

Schnell wird dem Leser, aber auch der Ermittlerfigur klar, dass hier viel größere Mächte am Werk sind und er keinen einfachen Mörder jagt. Und so wird ein Verdächtiger mit vielen Geheimnissen zum verlässlichsten Unterstützer, während bereits die höhere Macht beginnt alle Spuren nachträglich zu beseitigen.

Schmutzige Ermittlerwäsche wird gewaschen und die Hauptfiguren kommen an einen blutigen Scheideweg, der nur zwei Optionen lässt:

Entweder weiter machen, oder sich dem Widerstand beugen.

So kommt es, wie es kommen muss und David stellt sich gegen Goliath, der Einzelkämpfer wird zum Teamplayer und so oder so dreht sich alles um Veränderung, Geheimnisse und was sie bedeuten und die Schwächen und die Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaft, die wir als so gegeben und selbstverständlich erachten.

Der Roman bleibt Krimi, wie er begonnen hat, gewinnt jedoch schnell Science Fiction-Elemente, wenn der Daemon dem Leser Stück für Stück enthüllt wird und man seine ganze Macht und seinen ganzen Ausmaß zu begreifen beginnt. Doch mit ihm kommt geschickt verpackte Gesellschafts- und Sozialkritik dazu.

Daemon und Darknet im Kontrast der aktuellen Zeitgeschichte

Besonders im Rahmen der neuesten Entwicklungen rund um den NSA-Spionage-Skandal und den Enthüllungen über immer mehr der breiten Öffentlichkeit unbekannte Methoden massenhaft und vor allem breit gefächtert durch die gesamte Gesellschaft hindurch Daten über jeden abzugreifen, diese auswerten und speichern zu können, gewinnt die Buchreihe von Daniel Suarez mehr Relevanz als sie ohnehin bereits besessen hatte.

Dabei gelingt es ihm durch seine spannend und clever in die Geschichte eingebetteten technischen Schilderungen auch den weniger an Technik interessierten Leser zu erreichen und mit den entscheidenden Informationen zu versorgen. Schnell wird jedem bewusst, welche Gefahren in der Technik stecken, von der wir uns heutzutage immer weitreichender und bereitwillig abhängig machen und was in den bereits bekannten und unbekannten Methoden zur Überwachung an Macht steckt, wenn man die damit gesammelten Daten für oder gegen Individuen oder sogar das ganze System anwenden kann.

Dass die in beiden Romanen beschriebenen Möglichkeiten mittlerweile längst umsetzbar sind, oder bereits umgesetzt wurden, gilt als offenes Geheimnis. Um so mehr ist mit der Buchreihe Daniel Suarez ein unglaublich lesenswertes Werk gelungen, das sehr zum Denken anregt, den einen oder anderen vielleicht zum Umdenken, auch was das eigene Bewusstsein und dein eigenen Umgang mit den Informationssystemen unserer Zeit angeht.

Eine Schlussbetrachtung

Beide Romane gibt es im Buchhandel Ihres Vertrauens für je 9,99 € und sind jeder für sich absolut lesenswert, zurecht hoch gelobt und jeden Cent wert.

In einer Schlussbetrachtung sollen aber natürlich auch die kleinen Ecken und Kanten nicht unerwähnt bleiben, die auch die Daemon-Buchreihe aufzuweisen hat.

Stellenweise fehlen einem trotz ausführlicher technischer Beschreibungen und der ansonsten extrem gut durchdachten und angenehm ausformulierten Geschichte einige Hintergründe, denn manch Handlungsstrang scheint als Brücke zwischen zwei Handlungsinseln konstruiert und wirkt dadurch leicht künstlich.

Von den Hauptcharakteren abgesehen bleiben leider einige Charaktere eher blass und erwecken das Gefühl, dass sie eigentlich sehr viel tiefgründiger sind, nur irgendwo im Laufe der Geschichte vergessen wurden. Hinzu kommt eine etwas missglückte und eher verwirrende Liebesgeschichte zwischen zwei wichtigen Protagonisten hinzu, die dem Ganzen leider eher schadet als nutzt.

Doch diese Makel können nicht darüber hinweg täuschen, dass Daniel Suarez hier eine einmalige Buchreihe gelungen ist, die sich nicht nur angenehm lesen lässt, spannend und teils blutig die krankhaften Auswüchse unserer aktuellen Gesellschaft präzise erfasst, thematisiert, kritisiert und an Aktualität derzeit einfach nicht zu überbieten ist, sondern auch ein dringend benötigtes Bewusstsein für die Schwächen unserer vernetzten Welt schafft.

Der Autor im Porträt

Daniel Suarez, Jahrgang 1964, war US-amerikanischer Softwareentwicklung und Berater für mehrere Fortune 1000 Unternehmen, bevor er schließlich Autor wurde, 2004 sein Erstling Daemon abschloss und im Eigenverlag 2006 veröffentlichte.

Nachdem Daemon schnell an Aufmerksamkeit gewann und im Dutton Verlag neu aufgelegt wurde, führte Daniel Suarez die in Daemon begonnene Handlung mit dem 2012 in Englisch und 2013 in Deutsch erschienen Darknet fort.

Mit Kill Decision veröffentlichte Daniel Suarez 2012 (2013 in Deutschland im Rewohlt-Taschenbuch-Verlag erschienen, ISBN 978-3-499-25918-0) einen neuen Roman, in welchem er erstmals die Daemon-Handlung hinter sich lässt und sich im Rahmen des neuen Romans mit autonomen Drohnen und Schwarmintelligenz beschäftigt und kritisch die anonyme Kriegsführung thematisiert.

2014 erscheint nun sein neuestes Werk, Influx. Daniel Suarez lebt und arbreitet in Los Angeles, California, USA.


Info
Pierre Böckmann
2014-06-24
09:25
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