Titan X von Fury X besiegt

Nach der kürzlich erfolgten Ankündigung der AMD Radeon R9 Fury X und ihren kleineren Begleitern auf der E3 2015, haben wir gestern den Tag der Wahrheit erlebt, denn endlich darf die Presse Benchmarks und Tests über die neuen AMD Radeon Grafikkarten veröffentlichen.

Die AMD Radeon R9 Produktlinie

Die neue Produktlinie umfasst folgende Karten:

  • AMD Radeon R9 Fury X (Fiji XT*)
  • AMD Radeon R9 Fury (Fiji Pro*)
  • AMD Radeon R9 Nano (Fiji ?*)
  • AMD Radeon R9 390X (Hawaii XT)
  • AMD Radeon R9 390 (Hawaii Pro)
  • AMD Radeon R9 380 (Tonga Pro)

Abgesehen von der bereits erhältlichen R9 Fury X und den angekündigten, aber noch nicht veröffentlichten R9 Fury und R9 Nano, sind alle anderen Karten altbekannte Chipsätze, die bereits in der Radeon R9 200 Serie Verwendung fanden.

Somit ändert sich bei der 390 und 390X nur der verdoppelte Speicher und ein leicht verbesserter Speicher-Controller dessen Bandbreite von 320 GB/s auf 384 GB/s gesteigert wurde.

AMD-Fans, die eine komplette neue Produktinie erwartet hatten, werden sogar noch mehr enttäuscht sein, wenn sie einen genaueren Blick auf die neue Fiji GPU werfen.

Die nicht ganz so brandneue Fiji

Auf den ersten Blick sind die Fiji-basierten Fury X, Fury und Nano die einzigen brandneuen Grafikkarten des neuen Line-Up.

Ein genauerer Blick enthüllt jedoch, dass sogar die brandneuen Fiji-GPUs nicht ganz so brandneu sind, wie man denken könnte.

Da Fiji auf GCN 1 1.2 basiert, auf dem bereits Tonga basierte, ist Fiji eigentlich nicht viel mehr als eine teilweise verdoppelter Tonga mit dem brandneuen HBM 2.

Auch wenn das vielleicht noch enttäuschender klingt und definitiv seine Nachteile hat, ist es doch nicht ganz so schlimm wie es zunächst aussieht.

Fiji Spezifikationen

GPU
Fiji XT
Architektur
GCN 1.2
Fertigungsprozess
28 nm
Transistoren
8,9 Mrd.
Größe
596 mm²
Bus Interface
PCI Express 3.0 x16
Shader-Rechenkerne
4096
Rechengruppen
64
Textureinheiten
256
Textur Füllrate
268,8
Pixel Füllrate
67.2
Rasterendstufen
64
GPU-Takt
1050 MHz
Rechenleistung (SP)
8,6 TFlops
Rechenleistung (DP)
0,538 TFlops
Videospeicher
4 GByte HBM
Speicher-Takt (R/W)
500 MHz
Speicher-Anbindung
4096 Bit
Datentransferrate
512 GByte/s
Stromanschlüsse
2 × 8-pin
Formfaktor
Dual-Slot
Display-Anschlüsse
3 × DP 1.2, 1x HDMI 1.4a
Mehrmonitorbetrieb
4 (mit MST-Hub: 6)
TDP
275 Watt
Untersützte APIs
DirectX 12.0, OpenGL 4.5, OpenCL 2.5, Mantle, Vulkan

Besiegter Titan

Die komplette Spezifikation von Fiji weckt trotz ihrer GCN 1.2 Basis die Hoffnung, dass AMD endlich eine in vollem Umfang konkurrenzfähige Grafikkarte veröffentlich hat, die in der Lage sein könnte den ärgsten Konkurrenten zu schlagen - die nVidia GeForce GTX 980 TI. Beide liegen bei ca. 700,- € in Europa und sollten daher auch bei der Leistung auf Augenhöhe sein.

Und in der Tat enthüllen die erst kürzlich veröffentlichten Benchmarks, dass die Radeon R9 Fury X sogar fähig ist die deutlich teurere nVidia Titan X in einigen 4k Tests zu schlagen, welche ab ca. 1000,- € zu erwerben ist.

Titanenbezwinger mit Schwächen

Während die neue Radeon R9 Fury X fähig ist die nVidia Titan X bei hohen Auflösungen zu schlagen und damit nachweist, dass sie wirklich die angekündigte 4k-Grafikkarte ist, zeigt sie doch leider auch einige Schwächen bei geringeren Auflösungen wie Full HD. Hierbei wird sie sogar von der nVidia GeForce GTX 980 geschlagen, welche derzeit ab ca. 550,- € erhältlich ist.

Außerdem wird die Fury X auch in einem anderen Punkt von ihrem Konkurrenten von nVidia geschlagen: Display-Anschlüsse.

Obwohl besonders auf 4k-Nutzer ausgerichtet, hat AMD nur einen HDMI 1.4a kompatiblen Anschluss verbaut. Ein Fernseher kann somit bei 4k nur mit 30Hz angesteuert werden, statt mit 60Hz, wie sie bei HDMI 2.0 kompatiblen Anschlüssen möglich gewesen wäre.

Desweiteren hat sich AMD entschieden ohne HDCP 2.2 auszukommen, was jedoch in naher Zukunft schon verpflichtend für 4k Medien wie Video-Streams und 4k-Blu-Rays werden könnte.

Für Spieler aufgrund der ausreichenden DirectX 12.0 Unterstützung vermutlich eher vernachlässigbar ist das Fehlen der DirectX 12.1 Unterstützung der GeForce GTX 980 TI von nVidia. Bis Spiele veröffentlicht werden, die auf DirectX 12.1 setzen, wird wohl noch viel Zeit ins Land ziehen.

Zurück zur Sonnenseite

Auch wenn die Fury X in einigen Punkten geschlagen wird, sollten wir aufhören üder die wenigen Nachteile zu reden und wieder zurück zu der Sonnenseite der Eigenschaften zu gelangen.

Der Wechsel auf HBM schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens werden damit die Bandbreitenbeschränkungen von GDDR5 überwunden, zweitens erreicht man die überragende Speicher-Anbindung bei einem sehr geringen Takt von nur 500 MHz, was die Abwärme stark reduziert. Davon abgesehen hat HBM einen weiteren Vorteil, aufgrund der Art, wie er verbaut wird, misst die Fury X nur 19 cm in der Länge.

Ungeachtet seiner Energieeffizienz und verringerten Abwärme wird die Fury is ausschließlich mit einer Wasserkühlung geliefert. Dies führt auch unter Volllast zu niedrigen Grafikkartentemperaturen um die 65°C, sowie einer sehr niedrigen Lärmbelastung von nur 1 bis 1,9 Sone. Im Leerlauf geht diese sogar auf 0,6 bis 1,5 Sone runter. Die Messerwerte hängen dabei von der jeweiligen Quelle ab, die sie gemessen hat. Davon unabhängig ist aber die Erkenntnis, dass die Karte angenehm leise bleibt - nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wofür AMD Radeon Karten normalerweise bekannt sind.

Schlussfolgerungen

Wenngleich die R9 Fury X fähig ist die High-End Titan X von nVidia bei 4k zu schlagen, so weiß die neue Grafikkartengeneration nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Ihr solltet euch die einzelnen Benchmark-Ergebnisse der verschiedenen und weiter unten verlinkten Technikseiten einmal ganz genau betrachten, um einen kompletten Überblick darüber zu gewinnen, was Ihr von der R9 Fury X erwarten dürft und was nicht.

Besonders mit HBM ist AMD der erste Hersteller, der den am Limit angekommenen GDDR5 Speicher ersetzt. Ich werde dieses Thema an dieser Stelle nicht vertiefen, wer jedoch mehr erfahren möchte, kann auf den verlinkten Artikeln viel über HBM erfahren.

Ich denke, dass die gängigste Auflösung für den durchschnittlichen Gamer bei 1080p, also Full HD, liegen wird. Nur weniger werden die Hardware haben, um vom 4k gaming profitieren zu können. Es muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden, ob die 700,- € die zusätzliche Leistung, welche die Fury X zu bieten hat, auch wirklich wert sind.

Für den Durchschnitts-Gamer mit Full HD Bildschirmen wird sich der Vorteil jedoch zwischen klein bis nicht-existent bewegen. Auch wenn die R9 Fury X mit HBM vielversprechend, auf neustem Stand und eine sichere Investition in die Zukunft sein mag, so ist sie doch verhältnismäßig teuer.

Somit ist für den dargestellten Durchschnitts-Gamer auf Full HD Hardware eine Vielzahl an passenden Alternativen beider Hersteller erhältlich.

Vielleicht ist es also eine gute Idee noch eine Weile länger abzuwarten und zu sehen, wo sich die R9 Fury und R9 Nano einreihen werden, sobald sie denn veröffentlicht sind und man einen Blick auf Leistung und Preis werfen kann.

Auch werden die Preise der erst kürzlich veröffentlichten Rebrands aus der R9 300 Serie und die R9 Fury X in den nächsten Wochen und Monaten auf ein attraktiveres Niveau fallen. Für den Moment sind die aufgerufenen Preise für R9 300 Rebrands, welche deutlich über denen der Vorgängerserie R9 200 liegen, nicht zu rechtfertigen, da die 300er Serie kaum einen Mehrwert besitzt.

Da ich derzeit auf der Suche nach einem Ersatz in den nächsten Monaten für meine alternde nVidia GeForce GTX 560 TI bin, kommen die Neuveröffentlichungen von AMD genau zur rechten Zeit, um mir Alternativen zu nVidia GeForce Reihe zu bieten.

Doch nur die Zeit wird zeigen, welche Wahl die passendste sein wird.

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Published by

Pierre Böckmann

Born 1985 in Berlin, I am Software Developer, Blogger, Author, Open Source Enthusiast, openSUSE member and passionate openSUSE Leap user.